Weil sich die Welt ändert,
kann sich die Kunst ändern.Weil sich die Kunst ändert,
kann sich die Welt ändern.
Maximen des KünstlersMaterial
Form
Eigenschaften
Dimension
begrenzen die bildhauerische Intervention.Die Arbeit der Intervention
bleibt mit Bestimmtheit
ablesbar und unverwischbar.Das entstandene Objekt
bestimmt seine Bedeutung
an sich durch sich.Es demonstriert
als Bedeutungskörper
die Verschränkung
von Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft.
Maximen der WerkeBildnerisches/bildhauerisches Material
ist in der Gestaltbarkeit
nicht beliebig verfügbar.Im kreativen Prozess
der Gestaltung
wird das Material
nicht ent- oder verfremdet.Die materielle Dimensionierung
schafft in der Enthüllung
die Freisetzung von Bedeutung.Strategien
des Kreativen sind
Teilungen der Volumen
Modifikation der Volumen
Ergänzungen der Volumen.Das geschieht nach
mathematischen Vorstellungen
der im Material angelegten Struktur
dem eigenen Körper als korrelierendes Mass.
So wie die Stofflichkeit des Materials
ernst genommen wird,
macht der Künstler mit sich
und seinen Qualitäten ernst.
Dieser gegenseitige Austausch schafft
den Ort
Raum des Kunstwerkes.Das Kunstwerk - die Skulptur -
gewinnt solchermassen
eine eigene Physis.Das Kunstwerk ist nicht
wie traditionell
Bild oder Abbild
statt in der zweiten
nunmehr dritten Dimension.Es ist schlechterdings
Ereignis im Raum,
Ort der Bedeutung.Solcher Kunstbestimmung
ist nicht an
Mystifikation gelegen.Material und Raum werden
auf Regeln von
Wahrnehmung und Aesthetik
untersucht.Die Skulptur ist
nachvollziehbares
und ideell variierbares
Ergebnis einer Analyse,
die in überraschender Einfachheit
gleichermassen sensibel wie expressiv ist.Solche Skulpturen sind
unmittelbar einsichtig.Idee, Intervention und Identität
sind ins Gleichgewicht gebracht
und machen das Kunstwerk
dem Betrachter unmittelbar.
EpilogDiese Kunst huldigt keinen
metaphysischen Prämissen.
Sie macht Materie und Raum
exemplarisch transparent
zum Ereignis von
Aneignung und Erlebnis.
Siegmar Gassert
Basel, September 1997