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Römische Ziffern machen neugierig
Bernd Goering aus Egringen erhält den Zuschlag für die Jahrhundertplastik vor dem Landratsamt zum Thema 9. November

 

 

Juryvorsitzender Professor Hans Hofstätter (rechts) und Landrat Alois Rübsamen (links) gratulieren Bernd Goering. Sein Entwurf für die Jahrhundertplastik erhielt den ersten Preis. FOTO: GRAMESPACHER

 


LÖRRACH (gra). Der 9. November als äußerst geschichtsträchtiges Datum ist Thema der so genannten Jahrhundertplastik, die vor dem Landratsamtsgebäude aufgestellt werden soll. Gestern wurden die Preisträger des Kunstwettbewerbs bekannt gegeben. Den Zuschlag erhielt Bernd Goering aus Egringen.
Kein anderes Datum der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat derart Emotionen geschürt und kontroverse Diskussionen hervorgerufen wie der 9. November", sagte Landrat Alois Rübsamen bei der Vorstellung. Die Jahrhundertplastik solle wichtige Wendepunkte der deutschen Geschichte erfahrbar machen: die Ausrufung der parlamentarischen Republik 1918, die Reichspogromnacht 1938 und den Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989. "Die Plastik will erinnern, aufrütteln und zur Kritik herausfordern", sagte Rübsamen.
Bereits 1996 hatte Rübsamen die Idee zu einer Plastik vor dem Landratsamt, im Gedenken an den Mauerfall. Der ehemalige Künstlerkreis Lörrach wurde gebeten, junge Künstler aus dem Kreis zu einem Wettbewerb einzuladen. Benannt wurden Wolfgang Kastenholz (Weil am Rhein/Allschwil), Bernd Goering (Efringen-Kirchen), Max Meinrad Geiger (Inzlingen), Reinhard Bombsch (Efringen-Kirchen), Tobias Eder (Rheinfelden/Freiburg) sowie Matthias Frey (Lörrach/Basel).
Da die Finanzierung zunächst nicht gesichert war, wurde das Projekt zurückgestellt und erst 1999 im Zuge der Überlegungen und Veranstaltungen zur "Zeitenwende - 2000" wieder aufgegriffen. In einer Spendenaktion kamen von Firmen und Institutionen im Kreis 35 500 Mark zusammen; den gleichen Betrag stellt der Landkreis zur Verfügung. Eine zwölfköpfige Jury mit dem Freiburger Kunsthistoriker Professor Hans Hofstätter an der Spitze bewertete die sechs eingereichten Entwürfe und entschied über die Preisträger.
Bis 15. Mai 2001 wird nun Bernd Goerings Plastik vor dem Landratsamt aufgestellt. Sie besteht aus je zwei senkrecht und zwei schräg stehenden Betonblöcken und ist fünf Metern hoch. Infolge der Überschneidung der Elemente kann man je nach Standort die römischen Ziffern für 9 (IX) und 11 (XI) lesen.
"Die Plastik bringt die Idee auf den Punkt", begründete der Juryvorsitzende Hans Hofstätter den ersten Preis. Der Künstler setze sie nicht als Geschichtsunterricht, sondern als Symbol um, indem er das Datum als formale Gemeinsamkeit der drei Ereignisse ins Zentrum stellt. Die Aussage erschließe sich aber nicht auf den ersten Blick; die Neugier des Betrachters, der die Daten auf Bodenplatten zwischen den Blöcken findet, werde geweckt. Zudem setze das Werk einen sinnvollen Akzent auf dem Platz.
Der zweite Preis ging an Kastenholz, dessen Entwurf aus drei auf dem Platz verteilten Metalltafeln mit abstrahierten Fotos besteht sowie Texten, die zeitgenössischen Dokumenten entnommen sind. Eder bekam für seinen begehbaren "Zeitraum" aus Blöcken und Stelen den dritten Preis zuerkannt.

Badische Zeitung, 10. November 2000

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