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Drei Einschnitte, ein Jahrestag

Bernd Goering und Landrat stellen Jahrhundertplastik vor

Landrat Alois Rübsamen und Künstler Bernd Goering stellten gestern die "Jahrhundertplastik" zum 9. November vor.

FOTO: BARBARA RUDA

 

LÖRRACH (br). Die Jahrhundertplastik "9. November" sei ein starkes Werk, eine Skulptur mit Aufforderungscharakter geworden, freute sich gestern Landrat Alois Rübsamen bei ihrer Vorstellung vor dem Landratsamt. Er verhehle nicht, dass er mit Herzblut daran hänge und sei sicher, dass die Plastik die Menschen anspräche und zum Nachdenken Anlass gebe. Dankbar sei er für den von Professor Fritz Wilhelm angeregten Standortwechsel Richtung Straße, durch den die Skulptur mehr in den Mittelpunkt rücke.

Drei Daten, drei Ereignisse, drei Einschnitte der deutschen Geschichte, die so unterschiedlich in ihren Auswirkungen waren, inhaltlich in einer Skulptur zusammenzubringen, sei eine schwierige Aufgabe gewesen, erklärte der Egringer Künstler Bernd Goering den anwesenden Kreisräten, Jurymitgliedern, Sponsoren sowie Bürgermeister Grotefendt. Die Abdankung bisheriger politischer Systeme - Kaiserreich am 9. November 1918 und SED am 9. November 1989 - und die Abdankung der Menschlichkeit in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 hätten schließlich nur den Jahrestag ihres Geschehens gemein. Diese formale Gemeinsamkeit griff Bernd Goering bei der Ausführung seiner Plastik auf und gestaltete die äußere Form über das Datum.

Den 9. November stellte der Künstler in den römischen Ziffern IX und XI dar. Die schräg hintereinander versetzt stehenden Teile überschneiden sich, wenn man die Skulptur von der Straße aus betrachtet, dass man im vorderen linken Teil die IX und im hinteren rechten die XI lesen kann. Ein glatter Schnitt im einen und ein eindeutiger Bruch im anderen Teil weisen auf die Zäsuren politischer und gesellschaftlicher Art hin. Goering erklärte dazu: "Eine Offenlegung des Inneren geschieht, bisher Verborgenes kommt ans Tageslicht, wird zur sichtbaren Realität durch einen Schnitt, eine saubere Trennung, die auch wieder zusammengefügt werden könnte". Vielleicht sei es ja gar keine Trennung, sondern der Moment des Zusammenfügens. Dagegen hinterlasse der Bruch als gewaltsamer Akt stets Spuren.


Badische Zeitung, 5. April 2001

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