Bei
dieser jetzt entstandenen Arbeit ergab sich für mich eine völlig
neue, fast umgekehrte Arbeitsweise. Anstatt wie gewohnt dem Stein die
von mir gewollte Form zu geben, dass heisst ihn mit Werkzeugen zu bearbeiten
um sein Volumen zu verringern, musste ich sein Volumen sozusagen erst
einmal vergrössern. Mit Hilfe von Fachleuten der Firma Birkenmeier
wurde dem Stein eine ca. 4 cm dicke und 150 kg schwere elastische Haut
gegeben, das Negativ, die Gussform für die drei gegossenen "Kunststeine".
Anstatt einen bestimmten Stein zu bestellen, musste die Zusammensetzung
der Betonmischung festgelegt werden (...lieber eine Prise mehr weissen
Zuschlag, oder vielleicht doch...). Dann folgte der erste Guss, das Betonieren.
Es gab keinen Entstehungsprozess mit langsamen Herantasten an die endgültige
Form wie beim Naturstein. Nach einigen Tagen Wartezeit wurde das ausgehärtete
Stück ausgeschalt und dieser Vorgang glich schon fast ein wenig dem
entschiedenen und doch vorsichtigen Entfernen von Geschenkpapier.
Die Qualitäten des Betons als Werkstoff sind grundsätzlich andere,
als die des Natursteins, der bisher mein bevorzugtes Arbeitsmaterial war.
Viele Bearbeitungstechniken von Naturstein lassen sich zwar auch auf Beton
übertragen, wie zum Beispiel spitzen, stocken, scharrieren, sägen,
polieren etc. Jedoch hat Beton keine eigene Form, es gibt keinen vorgegebenen
Block, der gleichzeitig Material und auch Begrenzung der entstehenden
Skulptur ist. Die entstehende Form ist innerhalb der physikalischen Möglichkeiten
völlig frei, kann in unzähligen Farbvariationen und praktisch
in beliebiger Grösse hergestellt werden. Und sie ist reproduzierbar.
Der eigentliche Reiz des Werkstoffes liegt für mich darin, dass Beton
ein abbildendes Material ist, eben ohne eigene Form, diese wird erst durch
die verwendete Schalung bestimmt. Dabei übernimmt der Beton die Oberfläche
der Schalung als Negativ, vergleichbar vielleicht mit einem Spiegel, der
das Gegenüber umgekehrt (spiegelbildlich) wiedergibt. Ist die Schalung
ein Negativ einer bereits bestehenden Form, dann entsteht eine Kopie,
ein Klon, des Originals.
Es war für mich spannend, "Kunststeine" herzustellen, deren
ungleichmässige, ja zerklüftete äussere Form absolut identisch
ist, identisch mit dem aus einem grossen Block gebrochenen indischen Granit,
der als Vorlage diente. So enstanden 4 Steine in einer äusseren Übereinstimmung,
wie sie in der Natur nicht vorkommt. Leicht pikant ist vielleicht, dass
die "Kunststeine" dabei aus vielen verschiedenen zerkleinerten
und gemahlenen Natursteinen, wie zum Beispiel Basalt, gemischt und hergestellt
wurden. |